11.12.2007

Impressionen aus dem Garten

In unserem alten Baumbestand hat sich eine wilde Orchidee schmarotzend an die Rinde eines Baumes geheftet. Sie entwickelt gerade ihre schöne Blüte (oben)


Eine Zikaden-Haut. Singzikaden häuten sich und hinter lassen ihre feste Hülle am Baum. In südlichen Breiten werden Zikaden meist größer, was nicht heißen muß, daß man sie schnell entdeckt: Sie sind durch hervorragende Anpassung an den Untergrund getarnt. Aufmerksam wird der Urlauber in den Tropen durch ihren unerwartet lauten, mechanischen Gesang, der vor allen am Tag und in der Dämmerung vielstimmig zu hören ist. (oben)

Der Bachlauf durch den Garten (oben)


Hier eine der vorhandenen, älteren Palmen, deren Kronen von uns beleuchtet werden


Der neue Palmenbestand im Garten fügt sich in die moderne Gestaltung ein. (oben)



Das UNO-Logo mal aus "grüner Sicht" (oben)



Eine echte zwei Jahre alte Dattelpalme aus Brasilien fand hier ihr Zuhause (oben)


Unsere vier Monate alten Kochbananen gedeihen herrlich (oben)





Oben: Unser zwei Meter langes Hauskrokodil bewacht zur Freude der kleinen Besucher den Bach. Es kann ja soviel Steine fressen!




Der Garten ist einer der wichtigsten Bestandteile eines Lokals in unseren Klimabreiten. Im Sommer sitzt man fast ausschließlich draußen. Man wird und will gesehen werden. Man genießt die kühleren Nächte zur Erholung von einem schweißtreibenden Tag. Je schöner ein Garten, um so mehr Publikum. Da es im "Hotel Paraiso" schon einen wild, romantischen Garten gibt entschied ich mich, unter Berücksichtigung der örtlichen Gegebenheit, zu eine klaren, modernen Landschaftarchitektur. Der Garten wird durch einen künstlichen Bachlauf getrennt, dessen Pumpe nur zu Öffnungszeiten (also Nachts) in betrieb ist. Passend zu den UNO-Farben ist eine gelbe Beleuchtung vorherrschend, die auch noch den Vorteil haben soll, weniger Insekten anzuziehen.

09.12.2007

Paraguay wählt

Was haben die Vorwahlen, mit dem UNO zu tun? Die Wahlen haben hier den Ruf, äußerst brisant zu sein. Vor einiger Zeit ging ein Fernsehspot um die ganze Welt, der sich prügelnde, paraguayische Abgeordnete zeigte.
Streitthemen sind hier die "rote Partei" oder die "blaue". Streit ist hier genau das, was man vermeiden will. So erließ man auf die schnelle ein Gesetz, welches anordnete, ab Tag vor der Wahl darf ab 24.00 Uhr nicht mehr getrunken werden. Die Gastwirte dürfen ab diesem Zeitpunkt kein Alkohol mehr ausschenken.
Man wäre nicht in Paraguay, gäbe es dafür keine Umgehung, zumindest in den ländlichen Gegenden, wie Villarrica.
Dieser Abend war gestern. Und wie angekündigt wurde stichprobenartig kontrolliert, was mein Freund der Kommisar zum Anlass nahm, mich mit Rot/Blaulicht zu besuchen. Er wünschte mir schnell einen tollen Abend und prostete mir mit einem Pappbecher, im Fahrzeug sitzend, zu.

Neues vom Cocktaimixer


06.12.2007

Hier die nackte, paraguayische Wahrheit

Wie versprochen, der Blog mit nackten Tatsachen. Paraguay versteckt doch mehr als man denkt

Das UNO ist in Paraguay - Darum... Geschichte Teil I

Unser Standort, Villarrica in Guairà - Paraguay


Die "Chaco Indianer", einst ein stolzes Volk, wurden ihres Landes beraubt. Sie leben heute in ärmlichen Behausungen.

Paraguay und seine Sprachen

Paraguay teilt sich in zwei Großregionen: den Chaco im Westen, der etwa 60% der Landesfläche mit nur 5% der Bevölkerung ausmacht, und die Paraneña-Region im Osten. Die heutigen Grenzen sind erst seit 1938 fest. Vor allem 1870 verlor Paraguay weite Gebiete an Argentinien und Brasilien.
Im Paraneña sind die meisten Paraguayer Mestizen. 95% der Bevölkerung sprechen Guaraní. Paraguay ist damit das einzige Land, in dem eine indianische Sprache vorherrschende Umgangssprache unter Nicht-Indianern ist und auch das einzige Land, in dem überhaupt eine indianische Sprache vorherrschende Umgangssprache ist. Dabei hat sich ein eigener Paraguay-Guarani-Dialekt der Mestizen entwickelt, der sich vom "ursprünglicheren" Guarani entfernt, vor allem auch durch die spanische Beeinflussung.
Die Oberschicht spricht eher Spanisch. Spanisch ist die Sprache für alle "edleren" Verrichtungen. Obwohl Guarani seit einigen Jahren zweite Amtssprache ist, hat es sich als Schriftsprache kaum durchgesetzt. Lediglich in der Literatur taucht es häufiger auf. Das paraguayische Spanisch gehört zu den Rio-de-la-Plata-Dialekten, es unterscheidet sich von den übrigen aber vor allem dadurch, dass es stark durch das Guarani geprägt ist. Es gibt sogar Tendenzen zu einem Kontinuum zwischen Guarani und Spanisch. Jedenfalls spielt die gegenseitige Beeinflussung und auch code switching eine große Rolle; man nennt des Ergebnis Jopara. Allerdings ist code switching und überhaupt Guarani-Einflüsse im Spanischen sozial stigmatisiert.
Das Paraneña ist eine Region, die im Osten gebirgig ist und nach Westen zum Río Paraguay hin (der Chaco und Paraneña teilt) flach wird. Der Osten war früher nur dünn besiedelt. Dort lebten indianische Tupí-Guaraní-Völker, unter anderem auch Sprecher konservativerer Varianten des Guaraní. Seit einigen Jahrzehnten ist die Region Einwanderungsland. Neben Paraguayern aus anderen Regionen des Paraneña sind eine beträchtliche Zahl von Brasilianern eingewandert, so dass in Teilen des Ostens heute Portugiesisch die vorherrschende Umgangssprache und lingua franca ist. Unter den Brasilianern waren auch viele Deutschbrasilianer, die u.a. das Riograndenser Hunsrückische nach Paraguay gebracht haben.
Der Chaco im Westen ist flach und durch heißes Klima geprägt. Er ist bis heute nur gering besiedelt. Außer mennonitischen Einwanderern, die Plautdietsch sprechen, ist hier die indianische Besiedlung vorherrschend geblieben. Nur wenige gehören zu den Tupí-Guaraní, bedeutender sind die maskoyanischen und Waicuru-Völker. Außerdem gibt es noch ein paar Hundert Chamacoco im Grenzgebiet des Chaco zu Brasilien; die Sprache gehört zur zamukoanischen Sprachfamilie.

Es sei angemerkt, dass die meisten neuen Einwanderer hier in Villarrica, wenig oder gar kein Spanisch sprechen, was jedoch kaum ein Problem darstellt. In unserer Stadt kann man fürs erste, mit der Muttersprache gut leben. Das Spanisch wird im laufe der Jahre von selbst erlernt.